Nachrichtenmeisterei GbR

Presse

Der Kasseler Kulturförderpreis wurde an drei Initiativen mit großer Ausstrahlung verliehen

Sie werfen Netze über die Stadt

Kassel. Die Vielfalt kultureller Aktivitäten in Kassel ließ sich in diesem Jahr an der Verleihung des Kulturförderpreises der Stadt besonders gut abelesen. Drei Initiativen wurden im Rahmen einer Feier im Schauspielhaus ausgezeichnet und teilen sich das Preisgeld von 7500 Euro, die einen erheblichen Teil des Kulturschaffens in Kassel repräsentieren: • Die Projektgruppe „Atelierrundgang 2009“, vertreten durch Karin Thielecke und Michael Göbel. • Das Kreativzentrum Nachrichtenmeisterei, vertreten durch Sebastian Fleiter und Alexandra Berge. • Das Spohr-Kammerorchester Kassel, vertreten durch Katalin Hercegh, Wolfram Geiss und Joachim Schwarz.

Oberbürgermeister Bertram Hilgen würdigte in seinen Laudationes bei allen Preisträgern den Beitrag, den sie zur Vernetzung der Kultur in Kassel leisten. Ganz offenkundig ist der bei der Projektgruppe Atelierrundgang. 75 Künstler an 46 Orten öffneten in diesem September die Tore für Interessierte. Dadurch wurde nicht nur die „enorme Bandbreite des bildnerischen Schaffens“ (Hilgen) in Kassel dokumentiert. Das aus diesem Anlass erschienene Booklet kann zudem als „Who is who“ der Kasseler Künstlerszene gelten. Unter dem Motto „Kunst kann man auch in Kassel kaufen“ leistete der Atelierrundgang auch einen Beitrag zur materiellen Sicherung von Künstlern.

Verbindend wirkt auch das Spohr-Kammerorchester Kassel, das neben Musikern des Staatsorchesters auch solche der freien Szene einschließt und darüber hinaus hoch begabte Nachwuchsmusiker in seine Reihen aufnimmt. Neben Konzerterfolgen im In- und Ausland machte das Streicherensemble auch durch eine CD-Aufnahme der Freimaurermusiken Mozarts von sich reden. Vor rund 300 Gästen gab das Spohr-Kammerorchester zwei Kostproben seines Könnens: das Präludium aus Griegs „Holberg“-Suite und rumänische Tänze von Bartók.

Ein eindrucksvolles Zahlenwerk stellte die Nachrichtenmeisterei an den Beginn ihrer ironisch gefärbten Filmdokumentation: 41 Kreative der unterschiedlichsten Sparten arbeiten mittlerweile in dem Gebäude hinter dem Südflügel des Kulturbahnhofs auf 4300 Quadratmetern – bei einem täglichen Kaffeeverbrauch von 125 Litern. Und das ist noch nicht das Ende. Die Ausdehnung in neue Räume steht bevor.

Von Werner Fritsch/HNA 15.12.2009

Spaziergang 09 in Kassel

Der ausgestellten Kunst tut dies keinen Abbruch: Auch in diesem Jahr gibt es Hochkarätiges zu sehen. Dabei lohnt sich besonders ein Abstecher in die “Turnhalle”, nahe des Hauptbahnhofs. Hier treten die Neuen Medien an, das Kunstspielfeld unsicher zu machen. An der Ausstellung kann auch vom heimischen Computer aus partizipiert werden:
“tweaker” von Tobias Hellwig materialisiert Twitter-Nachrichten zu Sound. Schicke eine Nachricht von deinem Twitter-Account an @turnhalle und dein Post wird über einen Lautsprecher in der Halle ausgerufen. Noch bis zum 18.07. kann man sich auf diese Weise Gehör verschaffen, flanieren, verweilen.

© FAZ, 2009-07-15

Kunsthochschule Kassel
Kunst an vergessenen und unbekannten Orten
Von Claus Peter Müller, Kassel

15. Juli 2009 Die Szenerie bildete den idealen Drehort für einen „Tatort“. Am Rande eines Gewirrs von Gleisen, auf denen keine Züge fahren, lockt das überlebensgroße Bild einer hübschen, jungen Frau in eine finstere Halle, die erst auf den zweiten Blick als Sportstätte zu erkennen ist. Die Frau ist blond, wirkt zart und ist weiß gekleidet. Stumm steht sie auf der Leinwand. Vor ihr hängt ein Boxsack. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Sack und Frau? Und wenn ja, welchen? Auskunft gibt nur ein Versuch.

Trifft die Faust den Sack, taumelt die Frau wie getroffen auf der Leinwand. Je nach Härte und Fortsetzung der Schläge stöhnt die Frau. Sie schreit, sie fällt, sie blutet. Sie wehrt sich nicht, sie steht geschunden wieder auf, sie taumelt nach einem weiteren Schlag abermals. Nach einem letzten Schlag stürzt sie. Sie stirbt nicht, aber sie regt sich nicht mehr. Alles vollzieht sich im öffentlichen Raum.

„Hit me“ heißt diese Arbeit von Labelle Imira, die in Berlin an der Universität der Künste studiert hat, ihre Meisterarbeit aber bei Joel Baumann an der Kasseler Kunsthochschule vorgelegt hat. Sie ist eine jener Kasseler Kunststudenten, die gegenwärtig ihre Stadt besetzen. An 22 Orten zeigen die Absolventen dieses Jahresgangs der traditionsreichen Kunsthochschule bis zum 18. Juli ihre Abschlussarbeiten.

Stellungnahme zu den Erweiterungsplänen der „Nachrichtenmeisterei“ in Kassel

Das für die Erweiterung des Firmenverbunds „Nachrichtenmeisterei“ vorgesehene Areal nördlich des Kasseler Hauptbahnhofs liegt im Teilbereich „Hauptbahnhof/ Innenstadtrand“ des 2001 von der Fa. Wohnstadt GmbH unter meiner Mitwirkung fertig gestellten Masterplans „Hauptbahnhof, Rothenditmold, Unterstadtbahnhof“. Auftraggeber war die GWG GmbH Kassel, bzw. der Magistrat der Stadt. Die Masterplanung wurde von der Stadtverordnetenversammlung zustimmend zur Kenntnis genommen und bildet seither die Leitlinie planerischen Handelns in diesem räumlichen Bereich.

Die wesentliche hier bedeutsame Aussage des Masterplans betrifft die Nutzungsempfehlung mit dem Schwerpunkt Handwerk, Kleingewerbe, Dienstleistungen. Alternativ bzw. ergänzend sollten auch Freizeit- und Sporteinrichtungen möglich sein.
Die Entwicklungsperspektiven werden u.a. wie folgt im Textteil des Masterplans beschrieben :

„Eine Gesamtentwicklung als höherwertiger Dienstleistungsstandort ist für die Flächen am Hauptbahnhof nicht realistisch. Hierzu ist das Umfeld im Vergleich zu anderen, in Kassel ausreichend verfügbaren Büroflächenangeboten und Neubaustandorten nicht attraktiv genug. Sofern eine aktive Standortentwicklung eingeleitet wird, kann dennoch für Teilflächen eine standortspezifische Dienstleistungsnachfrage entstehen. Grundlage dafür ist eine aktive Sicherung und Weiterentwicklung des Kulturbahnhofs, sowie eine darüber hinaus gehende Standortaufwertung. —–

Der Hauptbahnhof selbst ist ein zentraler Nutzungsimpuls für die Flächenentwicklung. Er hat als Kulturbahnhof ein Standortprofil in den Bereichen Kultur, Medien, Veranstaltungen sowie als regional orientierter Dienstleistungsstandort. Dieses Nutzungsprofil kann auf die angrenzenden Entwicklungsflächen ausstrahlen.“
Bei einer städtebaulichen Neuordnung des nördlichen Bereichs schlägt der Masterplan „eine kleinteilige Grundstruktur für ein innerstädtisches Gewerbegebiet überwiegend im Nutzungsspektrum Kleingewerbe, Handwerk, und soweit möglich auch Dienstleistungen“ vor.
Das Verwaltungsgebäude im östlichen Eingangsbereich, das ehemalige Zollamt und das Stellwerk im westlichen Teil sollen laut Masterplan erhalten und umgenutzt werden. Der übrige Gebäudebestand wird, zumindest mittel- bis längerfristig, als abgängig eingeschätzt.

Vergleicht man das Vorhaben der Nachrichtenmeisterei mit diesen Vorgaben aus dem Masterplan, so wird deutlich, dass sowohl das Nutzungsprofil, als auch die Wiedernutzung vorhandener, zu erhaltender Gebäude voll übereinstimmen. Auch die intendierte Stützung der Nutzungen im Kulturbahnhof wird absehbar mit den Nutzern aus dem Branchenbereich der Kultur – und Kreativwirtschaft in besonderer Weise erreicht. Das Kulturbahnhofsquartier hat mit der Ausdehnung des Firmenverbunds, wie er sich in der Nachrichtenmeisterei darstellt, beste Chancen, als ein Cluster, oder eine feste Adresse für die Kultur – und Kreativwirtschaft in Kassel und der Region wahrgenommen zu werden.

Inwieweit eine Langzeitperspektive nach dem möglichen Abgang eines Teils des jetzigen Gebäudebestands gegeben ist, wird einmal von der einzelbetrieblichen Entwicklung der Firmen im Verbund der Nachrichtenmeisterei, zum anderen von den Konditionen der Erstellung von Ersatzbauten abhängen. Die Erfahrung aus vergleichbaren Projekten in vielen anderen deutschen und ausländischen Städten, aber auch aus Kassel selbst zeigt, dass mit der positiven Entwicklung solcher Quartiere die Ansprüche, aber auch die Zahlungsfähigkeit eines Teils der Starterfirmen steigen, so dass eine spätere Ausdifferenzierung von Angeboten im Altbaubestand und in ergänzenden Neubauten sinnvoll und möglich ist. Eine solche, für diesen Standort anzustrebende Entwicklung, benötigt ein sorgsames, auf Einzelinteressen und spezielle Nachfragen eingehendes professionelles Standortmanagement. Auch das ist an Kasseler Beispielen sehr gut zu studieren ( z.B. Gewerbehof Classen, Chasalla – Haus).

Die Stadt Kassel hat mehrfach in jüngster Zeit bei verschiedenen Gelegenheiten verlauten lassen, dass sie ihre begonnene Förderpolitik ,( u.a. zu Gunsten der  Nachrichtenmeisterei im südlichen Bereich des Kulturbahnhofs), fortsetzen und verstärken will. Damit kommen Fördermittel sowohl für städtebauliche, als auch für einzelbetriebliche Investitionen, (z.B. Stadtsanierung, Soziale Stadt, Lokale Ökonomie), auch für die Entwicklung des nördlichen Bahnhofsbereichs infrage, soweit diese den Zielen der Masterplanung entspricht.

Prof. Dipl. Ing. Christian Kopetzki, Kassel 2.12.2009